Dear Mr. President

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Dear Mr. President

Eines Tages vor ca. 6 Jahren stellte sich eine sehr adrette Frau vor um die 35 Jahre. Sie war sehr chic gekleidet und machte einen äußerst attraktiven Eindruck. Sie drückte sich gewählt aus und mit ihrem leicht schwarzen Humor fand ich sie sehr sympathisch.

Ich hatte hier eine knallharte, erfolgreiche Geschäftsfrau vor mir, die mit viel Ehrgeiz jede Lektion gewissenhaft trainierte. Trotz aller Trainingseinheiten klang ihr Gesang immer kontrolliert und kalt. Im Laufe unserer Gespräch stellte sich heraus , dass sie als Kind extrem auf Leistung, Disziplin und Durchhaltevermögen erzogen worden war. Ihre Eltern waren ihr gegenüber emotional sehr zurückhaltend und kühl. Geschwister hatte sie keine. Sie hatte gelernt durch Erfolge zu glänzen, um jeden Preis. 

Sie hasste Balladen. Dieses Geschnulze und Weinerliche wollte sie nicht singen. Ich überzeugte sie, wenn sie wirklich singen lernen wolle, dann gehörte das dazu. 

Eines Abends sang sie eine Ballade von Pink “Dear Mr. President” und brach ganz unerwartet in Tränen aus. Sie selbst war sehr bestürzt über ihre Reaktion. Sie wusste nicht, wohin mit sich selbst in diesem Moment. Ich war auch sehr erschrocken. Ich überging ihre Tränen einfach und sagte: keine Sorge, das passiert schon mal. 

Diese eine Unterrichtsstunde war ein Wendepunkt. Sie hat sich allmählich verändert, wurde lockerer und aufgeschlossener.  Heute ist sie Mutter von 2 hübschen Kindern und singt ihnen täglich vor dem Schlafengehen ein Lied. Sie kann ihre Kinder in den Arm nehmen und herzen und vorallem kann sie sagen: “ich liebe dich”. Sie hat mit dem Gesang ein Trauma überwunden und ihre Dämonen verjagt. Singen ist einfach viel mehr als nur Singen.

Sängerin mit Gitarre Aufnahme